Ich gab mich geschlagen und verließ das Bad, um mich anzuziehen. Die Zeugnisse unserer Ausschweifungen klebten auf meiner Haut. War mir auch recht. So konnte ich wenigstens etwas von dir mit nach Hause nehmen, wo ich dich doch schon wieder gehen lassen musste.

Während ich mich anzog, inspizierte ich die Sachen in dem Zimmer, in dem wir uns geliebt hatten. Es kam mir auf einmal so vor, als ob der Bewohner ein Faible für das eigene Geschlecht hat. Außer den großen Bildern von schönen Männern, die mir schon vorher aufgefallen waren, hingen auch kleine Fotos an einer Pinnwand. Nachdem ich in meine Stiefel geschlüpft war, sah ich mir die Fotos näher an. Auf diversen Bildern war Nikolas mit einem anderen Mann in Kuschelposen zu sehen. Schließlich fand ich einige Urlaubsschnappschüsse, auf denen die Beiden nackt waren und ging näher an die Bilder heran, um alles ganz genau in Augenschein nehmen zu können.

„Was guckst du so neugierig?“
Ich erschrak, weil ich dich nicht hatte reinkommen hören.
„Äh… Ich bewundere die Aushänge“, sagte ich vorsichtig. Was in diesem Fall wortwörtlich zu nehmen war.
„Hier wohnt normalerweise der Lover von Nikolas“, kam es belehrend aus deiner Richtung.
„Aha! Hab´ ich mir gedacht. Wo steckt der Kerl?“
„In der Wüste.“
„Und du hast ihn da hin geschickt?“
„Nein. Er ging freiwillig.“
„Weil du ihm den Freund weggeschnappt hast…?“
„Was? Den Freund weggeschnappt…?“
Dein Gesichtsausdruck ließ darauf schließen, dass du nicht die geringste Ahnung hattest, worauf ich anspielen wollte. Etwas verwirrt fuhrst du fort:„Ich habe ihn noch nie gesehen. Er war schon weg, als ich hier ankam … treibt sich in Australien rum. Kängurus Sackhüpfen beibringen oder so.“
„Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass du dich in die Schwulen-Szene begibst. Du kannst die Typen doch nicht ausstehen…!?“

Während du eines deiner altbekannten schwarzen Outfits anzogst, schienst du nach einer geeigneten Erklärung zu forschen.
„Nikolas und ich haben uns eine Zeit lang die Zelle geteilt. Er bot mir an, dass ich bei ihm wohnen kann, solange sein Freund weg ist. Ich wusste nicht, dass er `ne Schwuchtel ist.“
„Hihi. Ich kann mir lebhaft vorstellen, was du für ein Gesicht gemacht hast, als er es dir offenbarte. Warum bist du nicht schreiend weggerannt? Haben die wilden Kerle dich hier bei Wasser und Brot eingesperrt, bis dein Widerstand gebrochen war?“
„So ähnlich. Sie haben mich betrunken gemacht.“
„Und dann…?“

Textauszug Kapitel 25, Amors Kriegerin