Ich ging zu den Fenstern in der Küche, betrachtete den strahlend blauen Himmel und gab mich meinen Gedanken hin. Ich war noch viel zu müde für komplizierte Schlussfolgerungen, konnte aber aus meinen Beobachtungen ableiten, dass sich mit ziemlicher Sicherheit kein weibliches Wesen permanent in deinem Reich aufhält. Denn wir Frauen lassen immer irgendwelche Indizien zurück, wenn wir mit einem Mann liiert sind. Ein Kleidungsstück hier, eine Lieblingstasse dort, ein Foto, eine Kuscheldecke oder ein paar Zettel mit Liebesbotschaften… Es ist fast unmöglich, keine Spuren zu hinterlassen. Nebenbei markieren solche Dinge das Territorium und erinnern den Herrn der Schöpfung daran, dass er eine Partnerin hat – falls er es mal vergessen sollte. Am meisten fällt die Präsenz einer Frau natürlich im Badezimmer auf. Die Zahnbürste, die Packung Tampons, ein Duschgel oder sonstige Toilettenartikel schleppt man ungern ständig durch die Gegend, wie eine Nomadin.

Nach einer Weile bemerkte ich, dass du aus dem Bad gekommen warst. Mit immer noch leicht nassen Haaren, immer noch mit dem Handtuch bekleidet, standst du vor dem Küchenbereich deiner seltsamen Behausung und sahst mich an.

Ich schaute möglichst ungeniert zurück und erfreute mich an deiner Erscheinung. Du hattest einen Körperbau, bei dessen Anblick eine griechische Götterstatue zwangsläufig vor Neid erblassen musste, Jimmy. Dein Sixpack war atemberaubend, deine Brustmuskulatur ausgeprägt, aber nicht zu aufgepumpt und die seitlichen Bauchmuskeln, die oberhalb des Handtuchs zum Vorschein kamen, hätten mich fast in Ohnmacht fallen lassen. Unter dem Handtuch zeichnete sich dein bestes Stück ab und ich versuchte abzuschätzen, in welcher Liga du spielst. Ohne allzu auffällig in die Region zu starren, entschied ich mich tendenziell für den Europapokal, vielleicht sogar Champions League. Optisch warst du eine Klasse für sich, mein Liebster – absolut ohne Einschränkung. Sogar deine Brustbehaarung, die in einem feinen Streifen nach unten auslief, war perfekt: maskulin aber nicht zu üppig. Bei deiner Erschaffung mussten sich die Götter wirklich ein Vergnügen gegönnt haben. Oder die Göttinnen haben die alten Kerle besoffen gemacht und sich dann alleine der Sache angenommen… Wer weiß…

Textauszug Kapitel 5, Amors Kriegerin