Die Rohfassung vom Rauschengel stammt aus dem Februar 2007. Während des Schreibens kam mir die Idee, sie als Foto-Buch umzusetzen. Professionelle Models kosten aber eine Menge Geld und somit konnte ich die Umsetzung nicht finanzieren. Ergo, habe ich das Manuskript an einen Verlag geschickt. Mit dem Ergebnis, dass meine Unterlagen schneller wieder bei mir im Briefkasten landeten, als ich der Post zugetraut hätte. Rückschläge einzustecken ist nicht immer meine Stärke und somit war das Buchprojekt gestorben.

Acht Jahre später lernte ich meine Muse Barbara kennen. Sie inspirierte mich dazu, das mit dem publizieren des Buches noch mal zu versuchen. Nachdem ich mir auf der Leipziger Buchmesse die Füße wund gelaufen hatte, musste ich mir eingestehen, dass die Verlage nicht auf mich und meinen Rauschengel gewartet haben. Irgendwie kam ich dann auf die Idee, meine Texte online zu veröffentlichen. Aus Rache. Und weil ich der Meinung war, dass sie Welt den Rauschengel unbedingt lesen sollte. Verlag hin oder her.
Schließlich kam mir die Idee, den Webauftritt gleich als grafische Erlebniswelt zu inszenieren. Und weil eine Idee jedoch selten allein kommt, wurde ich in der folgenden Zeit von Eingebungen regelrecht überwältigt. Fette Motorengeräusche von Harley Davidsons sollten als Sound-Files in die Texte eingebunden werden. Videos und Bilder von einem Dodge Ram, wie Jimmy ihn fährt. Tattoos, Schmuck und Mode für Jimmy sollte auf die Website.
Aber wie das bei mir so ist, mit einem Ideen-Feuerwerk, nach dem Zisch und Boom und den bunten Lichtern kommt erstmal wieder die Dunkelheit.
Ich suchte nach Partnern, die von meiner Idee mit dem Online-Buch so begeistert sind, dass sie gleich die Eurozeichen in den Augen kriegen und mich mit der Aussicht auf hohe Rendite sponsern. Leider fand das ganze Szenario nicht so statt, wie ich erhofft hatte. Die Herren Internet-Gurus hatten zwar durchaus Eurozeichen in den Augen, aber nur weil sie an das viele schöne Geld dachten, das ich ihnen für die Umsetzung zahlen würde.

Also krempelte ich die Ärmel hoch und fing an, mich mit WordPress vertraut zu machen. HTML konnte ich schon einigermaßen, deshalb sollte die Umsetzung in WordPress kein Problem für mich sein. Falsch gedacht. WordPress ist eine Welt für sich. Mein erster Versuch, Rauschengel im Internet zu publizieren, endete damit, dass ich mit dem Ergebnis irgendwie, aber nicht so wirklich zufrieden war und auf die Vermarktung in den (Un-)Sozialen Medien hatte ich schon gar keinen Bock. Das wars dann erstmal wieder. Der Rauschengel war online, aber keinen hat es interessiert.

Ein Jahr später verzeichnete der Rauschengel dann doch einen ersten Erfolg. Einige Leute (Männer und Frauen!) hatten die Story gelesen und fanden sie saugut. Ich hatte inzwischen angefangen mit dem Divi-Builder, einem Baukastensystem, das im WordPress hängt, zu arbeiten, und konnte meine ursprünglichen Hürden der technischen Umsetzung plötzlich überwinden. Prompt taten sich Welten auf und ich fing an, die Website völlig neu zu konzipieren. Dass ich immer noch keine Kohle für ein Model-Shooting hatte, kompensierte ich damit, dass ich anfing, den heißen Jimmy in Illustrator selbst zu zeichnen. Wieder hatte mich meine Muse dazu inspiriert. Leider waren meine Kenntnisse übers Menschen zeichnen eher im Minusbereich und eine absolute Expertin bin ich in der Anwendung des Adobe Illustrators auch nicht. Also entwickelte aus der Not heraus eine Technik, mit der ich innerhalb eines überschaubaren Zeitraums ein paar Grafiken des knackigen Burschen zaubern konnte. Ein weiterer glücklicher Umstand war, dass ich auf meiner Reise als Digitalnomadin angefangen hatte, Fotos mit dem iPhone zu schießen und diese mit Hipstamatic und Snapseed zu bearbeiten. Diese kleinen Kunstwerke erschienen mir absolut geeignet, meine Zeichnungen zu ergänzen. Prompt entstand eine Grafik für die Website, wie ich sie ganz ursprünglich mal vor Augen hatte. Chapeau!

Nun, da ich also eine neue Website aufbauen und bei Fotos und Grafiken aus dem vollen schöpfen konnte, gab mir das Projekt einen solchen Energieschub, dass ich auch die Texte noch mal überarbeiten wollte. In dem Moment wurde mir endgültig klar, dass der Druck der Rauschengel-Story einen Stand der Dinge festnageln würde. Papier ist geduldig, das Internet ist Freiheit pur!
So ganz nebenbei fiel mir auf, dass sich im Laufe der Jahre viel in mir verändert hatte – dass ich diverse neue Skills zu meinen vorhandenen hinzufügen konnte und inzwischen viel mehr Freiheit hatte, das Projekt so umzusetzen, wie mir anfangs vorschwebte. Denn nun konnte ich alles selbst machen und nebenbei ständig optimieren und ergänzen.

Also, der Rauschengel ist im Internet erst einmal genau richtig. Im Hintergrund sind die Buchversionen in Arbeit. Bald mehr Rauschengel. Wow!