Als es klingelte, drückte ich den Knopf zum Öffnen der Haustür und lehnte die Wohnungstür an. Ich hüpfte in den Sessel, die Knie so züchtig zusammengepresst wie eine Klosterschülerin und wartete darauf, dass du die Showbühne betreten würdest.
In dem Moment, als du durch die Wohnungstür herein kamst und mich da sitzen sahst, hätte ich wegen deines Gesichtsausdrucks fast einen Lachkrampf bekommen. Ich beherrschte mich zum Glück gerade rechtzeitig und fing an, dir Anweisungen zu geben. „Schließ die Tür oder willst du, dass die Nachbarn zugucken?“, motzte ich im besten Kasernenton.
Du warst offensichtlich völlig irritiert, konntest dich aber nach ein paar Augenblicken dazu durchringen, die Tür zu schließen. Dann standest du da, wie die berühmte Ölgötze. Dein Gesichtsausdruck war wirklich Gold wert und über deinem Kopf schwebte ein gigantisches Fragezeichen.

Meine Anweisung, dich in Schale zu werfen, hattest du brav befolgt. Deine Löwenmähne war zu einem dicken Haarknoten hoch gebunden, dein Zweiwochenbart in Form geschnitten und dein Outfit saß perfekt. Wie immer trugst du ein schwarzes, eng anliegendes Shirt, aber dazu hattest du eine abgefahrene schwarze Lederhose ausgewählt, die ich noch nicht an dir gesehen hatte. Sie war vorne mit ein paar auffälligen großen, auf antik getrimmten Silberknöpfen bestückt, die deine Lendengegend eindrucksvoll in Szene setzten. Außerdem trugst du deine vielen schönen Silberringe und deine extravaganten schweren Bikerstiefel mit den dicken Schnallen an den Seiten. Es sah so aus, als hattest du dich wirklich für einen Abend im Swingerclub aufgebrezelt. Ich musste darüber schmunzeln und das irritierte dich noch zusätzlich.

Ich bemühte mich, meine gespielte Ernsthaftigkeit wieder her zu stellen und sagte im Befehlston: „Zieh dir die Jacke aus, Bursche“.
Als schienst du plötzlich zu ahnen, dass du das Opfer irgendwelcher weiblichen Fantasien werden solltest, nahm dein Gesicht einen leicht panischen Ausdruck an. Suchend blicktest du umher, als ob du Angst hättest, es könnte ein Rudel Amazonen hinter Sofas und Türen hervor preschen, um dich gemeinschaftlich zu vernaschen. Nachdem sich keine Weiberhorden bemerkbar machen wollten, fühltest du dich wohl wieder etwas sicherer und zogst deine Jacke mit übertriebener Sachlichkeit aus.
„Oh, dieser Kerl…“ dachte ich. Die Jacke fiel zu Boden und du wolltest mir näher kommen.
„Bleib wo du bist, Bursche!“, fauchte ich dich an. „Heute musst du dir die verbotene Frucht erarbeiten.“
An deiner Mimik konnte ich ablesen, dass das Wort erarbeiten dein Paniklevel zwar wieder drastisch anhob, aber statt mein Spiel verbal zu torpedieren oder einfach die Showbühne zu verlassen, bliebst du in deiner ganzen Schönheit wie von mir verlangt im vorderen Teil des Flurs stehen.

Dann kam mein großer Auftritt: ich öffnete ganz langsam meine Knie und spreizte die Beine ein bisschen, damit du sehen konntest, dass ich unter meinem Negligé kein Höschen trug. Dabei sah ich dir so herausfordernd in die Augen, wie ich nur konnte und lehnte mich lasziv im Sessel zurück.
Volltreffer! Um deinen sinnlichen Mund deutete sich ein begeistertes Lächeln an. Deine Augen blitzen auf, und in dem Moment schien dir klar zu sein, dass ich ein ganz besonderes Rollenspielchen mit dir vor habe. Deine Mine hellte sich augenblicklich auf. Erwartungsvoll  standest da und sahst mich mit einem magischen Schmunzeln auf den Lippen von oben herab an.
„Mach deine Haare auf und zieh dein Shirt aus!“, befahl ich, um meinen Plan weiter voran zu treiben.